Canterbury Tales


Geoffrey Chaucer: Canterbury Tales (Canterbury-Erzählungen).

im Jahre 1400 geschrieben.

Manesse Verlag, Zürich - 566 Seiten.

Das Buch habe ich gelesen vom 02. November 2002 bis zum 07. November 2002

Spätestens nach der Lektüre dieses Buches weiß ich, daß ich mit meiner Wahl, eine solche Literraturliste in erster Linie nach chronologischen Gesichtspunkten zu sortieren und nicht nach geografischen Gesichtspunkten genau die goldrichtige Entscheidung gewesen war. Wenn man in dieser Reihenfolge zunächst die Italiener Dante (Die Göttliche Komöde) und Boccaccio (Decamerone) und anschließend den Engländer Chaucer (Canterbury Tales) liest, dann erkennt man ganz deutlich einen roten Faden der Literaturgeschichte. Das Trio zum Quartett komplettieren würde noch der Italiener Petrarca ... aber man kann auch nicht alle Autoren und Bücher auf der Liste haben. Warum? Weil diese vier Dichter mit ihren Werken aufeinander aufbauen. Gerade auch Chaucer verweist immer wieder auf seine drei italienischen Kollegen. Zwei Geschichten der Canterbury Tales sind nahezu 1:1 dem Decamerone von Boccaccio entnommen: die Erzählung des Landverwalters und die Erzählung des Schiffshauptmannes.

Davon abgesehen: je mehr (und jüngere) Bücher ich lese, desto mehr Verweise gibt es auf die bereits gelesenen: immer wieder werden Homer, Vergil, Augustinus und all die anderen erwähnt oder gar zitiert. Mehr und mehr füllt sich meine Literaturliste mit "Leben" ... mehr und mehr zieht sich ein roter Faden durch diese Liste. Das Werk Geoffrey Chaucers war der letzte Beweis dafür - über alle geografischen Grenzen hinweg.

Bei einem Wirt in London treffen sich neunundzwanzig Menschen unterschiedlichster Herkunft und sozialer Schichten. Gemeinsam wollen sie von London nach Canterbury reisen im Rahmen einer Wallfahrt. Der Wirt - der schließlich genauso, wie der Autor Chaucer höchstselbst - sich der Gruppe anschließen wird, schlägt vor, daß auf dem Weg nach Canterbury jeder eine Geschichte erzählen soll. Die Geschichten spiegeln oft den Hintergrund des Erzählers wieder - übrigens ganz im Gegenteil zu Boccaccios Decamerone, wie ein Zitat weiter unten zeigen wird. Die Geschichten sind deshalb auch sehr heterogen. Manche sehr lebhaft, andere eher langweilig. Manche recht derb, andere eher intellektuell. Insgesamt war es ein spannendes, kurzweiliges Buch, dessen Großteil ich auf der Fahrt von Frankfurt am Main nach Chemnitz gelesen habe. (Das sind die Vorteile einer achtstündigen Zugfahrt mit dem Wochenendticket! :-) ).

Zitate:
Detlef Droese: "Wie Boccaccio in seinem Decamerone der zwischen 1348 und 1353 entstand, hat auch Chaucer die einzelnen Erzählungen seiner Canterbury Tales durch eine Rahmenhandlung zusammengefasst, doch hat sein Rahmen ein ungleich grösseres Gesicht als der Boccaccios: waren es dort sieben Damen und drei Herren der vornehmen Florentiner Gesellschaft, die vor der grossen Pest des Jahres 1348 aufs Land flohen und sich dort die Zeit durch das Erzählen von Geschichten vertrieben, so sind es hier neunundzwanzig Personen der verschiedensten Berufe und Stände [...] Die Behauptung, daß Chaucer seine Pilger farbiger und kräftiger schildert als Boccaccio seine Florentiner, bedarf kaum des Beweises. Zudem haben bei Boccaccio die Erzählungen mit dem Charakter ihrer Erzähler nichts zu tun; mit wenigen Ausnahmen sind sie beliebig austauschbar. Bei Chaucer hingegen färbt der Charakter des Erzählers die Geschichte, zeichnet die Geschichte wiederum ein Charakterbild des Erzählers."

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© November 2002 by Martin J. Zimmermann.
Letzte Änderung dieser Seite: 16. Mai 2007.