Laurence Sterne: Empfindsame Reise.


Laurence Sterne: Empfindsame Reise.

Im Jahre 1768 geschrieben.

Dr.Ernst Hauswedell & Co. Verlag, Hamburg (-) - 157 Seiten.

Das Buch habe ich gelesen vom 23. Februar 2005 bis zum 26. Februar 2005.

Der Engländer Yorick unternimmt eine Reise nach Frankreich - aber es ist keine gewöhnliche Reise, sondern eine empfindsame Reise - eine Reise in der insbesondere die Sehnsucht nach Liebe und Zärtlichkeit eine grosse Rolle spielt. Im Gegensatz zum empfindsamen Reisenden gibt es laut Yorick unter anderem den simplen Reisenden "[deren] Gründe fürs Reisen einfacher sind als die aller übrigen Emigranten", dann u.a. die müssigen Reisenden, die neugierigen, eitlen, aufgeblasenen, spleenigen oder auch den unglücklichen und unschuldigen Reisenden.

Interessant beschreibt Laurence Sterne (alias Yorick) in dem Werk auch, wie ein Engländer Frankreich wahrnimmt - das Geschehen spielt in Paris:

"Als der Barbier kam, weigerte er sich platterdings, das geringste mit meiner Perücke zu schaffen zu haben. Sie war entweder unter oder über seiner Kunst. Mir blieb nichts anderes übrig, als eine bereits fertige auf seine eigene Empfehlung zu nehmen.
... Aber ich fürchte, mein Freund, sagte ich, diese Locke wird nicht stehen.
... Sie können sie, versetzte er, in den Ozean tauchen, und sie wird doch stehen!
Wie doch in dieser Stadt alles in die Höhe geschraubt ist, dachte ich. Der höchste Gedankenschwung eines englischen Perückenmachers hätte nicht weiter reichen können, als 'Stecken Sie sie in einem Eimer Wasser.' Welch ein Unterschied! Er verhält sich wie die Zeit zur Ewigkeit ...
Ich gestehe, ich hasse sowohl alle frostigen Ausdrücke wie die mageren Ideen, wodurch sie erzeugt werden, und werde gemeiniglich von den großen Werken der Natur derart beeindruckt, daß, wenn es nur anginge, ich kein Gleichnis gebrauchen würde, das geringer wäre als ein Berg.
Alles, was man gegen das französische Erhabene bei diesem Beispiele sagen kann ist, daß die Größe mehr im Worte und weniger in der Sache liegt. Freilich füllt der Ozean die Seele mit großen Ideen; da aber Paris so tief im Lande liegt, so war's nicht wahrscheinlich, daß ich so viele Meilen reisen würde, um den Versuch zu machen ... Der Pariser Barbier hatte sich nichts bei seinem Bilde gedacht ...
Der Wassereimer, neben dem weiten Meere gesehen, macht unstreitig bei einem Vergleich eine armselige Figur ... Doch man kann einwenden, daß er einen Vorzug hat: er ist im nächsten Zimmer bei der Hand, und die Güte der Locke kann ohne Umstände in einer Minute nachgeprüft werden. Um nach einer unparteiischen Untersuchung der Sache einfach die Wahrheit zu sagen: der französische Ausdruck verspricht mehr als er hält.
Ich bin der Meinung, daß sich die wahren und unterscheidenden Merkmale der Nationalcharaktere besser an solchen geringfügigen Kleinigkeiten erkennen lassen denn an den wichtigsten Staatsgeschäften, bei denen die großen Männer aller Nationen einander so ähnlich handeln und wandeln, daß ich nicht fünf Groschen wetten möchte, einen darunter zu finden."

Laurence Sterne "schuf mit [Empfindsame Reise] ein Modebuch der Empfindsamkeit und eröffnete dem Reiseroman damit neue Bereiche." (Quelle: Der Brockhaus - Literatur)

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© Februar 2005 erstellt von Martin J. Zimmermann.
Letzte Änderung dieser Seite: 09. April 2005. Und hier noch eine ganz besonders lange Zeile, um diesen blöden Zeilenumbruch, dessen Entstehen ich nicht begreife und deshalb auch nicht verhindern kann, zu verhindern.